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Geschichte in Bildern
Flying P-Liner
 


Anfang der 90er Jahre hatte ich die Idee zu einem Lied über die Schiffe der Flying P-Liner der Hamburger Reederei Laeisz. Tauchten doch immer wieder deren Namen in den Erzählungen unserer alten Kap-Korniers auf. Kuddel Buck ist auf der Priwall gefahren und Julius Baumgarten hat gar die Flora, die ehemalige Potosi, nach dem Krieg wieder mit in Fahrt gebracht. Sie ziehrt auch das Gemälde, das der Chor anlässlich seines 10jährigen Bestehens hat machen lassen. Und Tom Lewis, ein Shantyman und Songwriter hat ein Lied über die Peking gemacht, die bis zum Herbst 2015 als Museumsschiff in New York lag. Die Melodie war da, aber der letzte Funke hat gefehlt. Als ich im Jahr 2011, mittlerweile kann auch ich sagen: "viele Jahre später", beim Festival in Regensburg nachts an der Bar den Refrain gesungen habe, hatten einige Sänger glatt Tränen in den Augen und forderten mich auf das Stück zu vollenden.


Im Jahre 1852 wurde die Reederei Laeisz von Vater Ferdinand und seinem Sohn Carl gegründet. 1857 wurde der erste Schiffsneubau, eine hölzerne Bark in Dienst gestellt. Die Ehefrau von Sohn Carl steuerte ihren Kosenamen bei. Sie wurde liebevoll, wegen ihrer krausen Haare, Pudel genannt. Und eben diesen Namen erhielt auch die kleine Bark.  Seit den 1880er Jahren wurden (fast) alle Schiffe auf einen Namen mit "P" getauft, und das bis Heute!


Als die Firma im 19. Jahrhundet in die Salpeterfahrt einstieg, revolutionierte sie den Handel und die Verladung in den chilenischen Häfen. Sie hatte Agenten in den Häfen eingesetzt, die im voraus Arbeiter und Leichter unter Vertrag nahmen, um die Schiffe schnellstmöglich auf die Rückreise zu schicken. Dafür mussten die Schiffe aber auch pünktlich sein - Funk oder gar Telefonie gab es ja noch nicht - und das waren sie auch. Die Schiffe waren schnell, sicher und zuverlässig. Und seit diesen Tagen werden die Schiffe ehrfurchtsvoll von Seeleuten anderer Schiffe auch die "Flying P-Liner" genannt.


Die Potosi, einer der wenigen rahgetakelten Fünfmaster, wurde 1895 in Dienst gestellt und war bis 1902 das größte Segelschiff der Welt. Im ersten Weltkrieg lag sie in Chile auf, wurde an die Reederei Vinnen verkauft und anschließend an eine chilenische Reederei, die das Schiff nach vielen Jahren wieder in See brachte. Einer unserer Kap Horniers hat bei der Instandsetzung mitgearbeitet. Zu dieser Zeit war sie schon wieder der größte Segler der Welt. Das Schiff hatte allerdings nicht mehr viel Glück, geriet in Brand und musste von der chilenischen Marine versenkt werden, da sie die Schifffahrt gefährdete.



1991 wurde zum 10jährigen Bestehen des Chores dieses Bild in Auftrag gegeben. Es zeigt den Chor, die Gaststätte "Fährhaus Kirschenland", in der wir über 25 Jahre unsere Proben abgehalten haben, und eben jene Potosi. Als sie ihre Rekordfahrten machte, wurde sie vom legendären Kapitän Hilgendorf geführt.  Sein Großneffe ist heute übrigens aktives Mitglied in unserem Chor.



Die Passat dürfte wohl den Meisten der Bekannteste der letzten 4 P-Liner sein. Sie liegt seit den 70er Jahren in Travemünde in einem sehr guten Zustand als Museumsschiff. Sie war der Letzte unter deutscher Flagge fahrende P-Liner, wenn auch nicht mehr bei Laeisz. Nach der Pamir-Katastrophe 1957 wurde das Ausbildungs-progamm gestoppt und die Passat aufgelegt. Die Stadt Lübeck hat sie letztlich gekauft. Seit 1978 steht sie unter Denkmalschutz.



Die Peking ist das Schwesterschiff der Passat und liegt als Museumsschiff in New York.  Sie lief ebenso wie ihre Schwester bis 1932 bei Laeisz und wurde anschließend in England als stationäres Schulschiff unter dem Namen Arethusa eingesetzt. 1975 wurde sie dann nach Nordamerika geschleppt und vorbildlich in Stand gesetzt. Hier erhielt sie auch wieder ihren alten Namen zurück.          2015 hat die Bundesrepublik Deutschland Gelder für ein Hafenmuseum in Hamburg freigegeben, das unter anderem dazu verwendet werden soll die sich mittlerweile in einem schlechten Zustand befindende Peking nach Hamburg zu holen und zu restaurieren. Seit Juli 2017 wird sie jetzt in Wewelsfleth wieder aufgearbeitet.



Die Padua ist als letzter P-Liner auch nach über 80 Jahren noch aktiv. Sie fährt unter dem Namen Krusenstern als Segelschulschiff unter russischer Flagge und wurde mehrfach modernisiert. Das Bild zeigt sie beim Hamburger Hafengeburtstag 2012 an den Landungsbrücken.     Kleine Geschichte am Rande: Bei der Hanse-Sail im gleichen Jahr sprach eine befreundete Chorleiterin aus der Schweiz davon, das sie noch eine Tagesfahrt auf einem Schoner machen würde. Das war dann in Wirklichkeit eine Fahrt auf der Krusenstern!


In Mariehamm auf den Alandinseln liegt die Pommern. Sie lief von 1906 bis 1921 für Laeisz, wurde jedoch nicht für die Reederei gebaut. Sie passte aber von der Größe und Ausstattung gut in die Flotte der Reederei. Seit 1957 ist sie Museumsschiff und wurde mehrfach wieder fit gemacht. Sie gilt heute als einzig im Originalzustand, auch unter Deck, erhaltener Viermaster.


Im Juni 2012 haben wir unser Lied dem Vorstand der Reederei Laeisz, Herrn Nikolaus W. Schües (links) und seinem Sohn vorgestellt. Herr Schües war beeindruckt, aber wir waren es auch. Herr Schües war sehr in der Marterie der Firma und der alten Schiffe bewandert und man merkte, das er sich der Firmengeschichte sehr bewusst war. Zum Abschluss zeigte er uns noch die Heilige Halle mit den Bildern der früheren Firmeninhaber, den original  Werft-modellen der alten Segler.


Die Geschichte der Reederei und dieser Schiffe ist faszinierend und zeugt von deutscher Gründlichkeit im positiven Sinne. Mögen die Schiffe als Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit bewahrt werden. Sie hatten bestimmt nichts mit Seefahrerromantik zu tun. Vielmehr waren sie das Ergebnis von Sparsamkeit und Rationalisierung. Aber wir freuen uns doch immer wieder, wenn wir einen Großsegler zu Gesicht bekommen. 


 
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